Domainhistorie vor dem Kauf überprüfen
Autor: Redaktion Domeny.ForSale Veröffentlicht Aktualisiert
Kurz gesagt: Prüfen Sie vor dem Kauf einer Domain ihre frühere Nutzung, Registrierungshistorie, technische Reputation, ihr Linkprofil und mögliche Konflikte mit fremden Marken. Ein einzelnes Warnsignal muss den Kauf nicht ausschließen. Abweichungen zwischen den Angaben des Verkäufers und den verfügbaren Daten müssen jedoch vor der Zahlung geklärt werden.
Registrierungshistorie und aktuellen Status ermitteln
Beginnen Sie mit den Daten aus WHOIS oder RDAP. Diese Dienste zeigen Informationen zur Registrierung einer Domain, etwa ihren Status, den Registry-Betreiber, die DNS-Server sowie — je nach Domainendung und Datenschutzregeln — das Erstellungs- und Ablaufdatum. Die Inhaberdaten sind häufig verborgen. Dass der Name des Domaininhabers fehlt, ist deshalb für sich genommen kein Warnsignal.
Prüfen Sie, ob die Domain aktiv, abgelaufen, zum Verkauf angeboten oder mit einer Transfersperre versehen ist. Bestätigen Sie auch, wer tatsächlich über sie verfügen darf. Wer die Website oder ein E-Mail-Postfach unter der Domain kontrolliert, ist nicht unbedingt ihr Inhaber.
Historische Registrierungsdaten können Wechsel der Betreiber oder DNS-Server sowie Zeiträume zeigen, in denen die Domain nicht mehr funktionierte. Allerdings stellt nicht jede Registry denselben Informationsumfang bereit. Die aktuellen Regeln für Transfer, Verlängerung und Identifizierung des Domaininhabers sollten Sie bei der zuständigen Registry oder dem Registrar bestätigen lassen.
Frühere Versionen der Website ansehen
Internetarchive ermöglichen einen Blick auf die Inhalte, die früher unter einer Adresse verfügbar waren. Sehen Sie sich gespeicherte Versionen aus mehreren Zeiträumen an, nicht nur die letzte verfügbare Momentaufnahme. Die Domain könnte zunächst einem rechtmäßig tätigen Unternehmen gehört haben, später als Werbeseite genutzt worden sein und schließlich eine leere Verkaufsseite angezeigt haben.
Achten Sie auf:
- Thema und Sprache der früheren Inhalte,
- Firmennamen und Kontaktdaten,
- Weiterleitungen zu anderen Websites,
- massenhaft erstellte Texte, Linkverzeichnisse oder verdächtige Downloads,
- Inhalte zu Glücksspiel, Fälschungen, Betrug oder Erwachsenenmaterial,
- plötzliche Änderungen der Branche und des Erscheinungsbilds der Website.
Beispiel: Eine Domain mit einem neutralen Namen soll für ein Buchhaltungsbüro genutzt werden, doch mehrere Jahre lang befand sich darunter eine Website mit illegalen Kopien von Software. Der Name selbst kann weiterhin zum Projekt passen. Frühere Assoziationen, Sicherheitsmeldungen und Links von verdächtigen Seiten erhöhen jedoch den Aufwand, ihre Reputation zu bereinigen.
Fehlende Archiveinträge beweisen nicht, dass die Domain ungenutzt war. Die Website könnte die Archivierung blockiert haben, nur kurz betrieben worden oder ausschließlich für ausgewählte Nutzer zugänglich gewesen sein.
Technische Reputation und Linkprofil prüfen
Überprüfen Sie die Domain in Warnlisten für Phishing, Schadsoftware und Spam. Prüfen Sie außerdem, ob ihre Adresse oder die zugehörigen Mailserver auf Sperrlisten stehen. Ein Ergebnis kann veraltet sein oder sich auf ein früheres Hosting beziehen. Ermitteln Sie deshalb Datum und Grund des Eintrags, statt allein das Auftauchen auf einer Liste als ausschlaggebend zu betrachten.
Das Linkprofil umfasst die Links, die von anderen Websites auf die Domain verweisen. Eine unnatürlich hohe Zahl von Links aus beliebigen Verzeichnissen, automatisierten Kommentaren oder fremdsprachigen Websites kann auf frühere Manipulationsversuche hinweisen. Prüfen Sie nicht nur die Anzahl der Links, sondern auch ihre Quellen, Linktexte und Zielunterseiten.
Die Historie einer Domain garantiert weder Sichtbarkeit noch die Indexierung in einer Suchmaschine. Selbst eine Domain mit wertvollen Links kann nach einem Inhaltswechsel einen Teil davon verlieren. Zudem passen die früheren Unterseitenadressen möglicherweise nicht mehr zur geplanten Struktur der Website.
Rechtliche Risiken und Reputationsrisiken bewerten
Prüfen Sie, ob der Name mit einer fremden Marke, einem Unternehmensnamen oder einem bekannten Produkt identisch oder verwechslungsfähig ähnlich ist. Die Verfügbarkeit einer Domain bedeutet nicht automatisch, dass Sie sie kommerziell nutzen dürfen. Suchen Sie die Bezeichnung in den offiziellen Markendatenbanken für die Länder und Märkte, in denen Sie tätig werden möchten.
Entscheidend sind die Branche, der Schutzumfang der Marke, die Art der Domainnutzung und die Möglichkeit, Nutzer irrezuführen. Dieses Risiko lässt sich nicht allein anhand der Ähnlichkeit der Namen zuverlässig beurteilen. Bei einer teuren Domain oder einem möglichen Konflikt mit einer bestehenden Marke kann eine individuelle Rechtsberatung erforderlich sein; dieser Text ersetzt sie nicht.
Suchen Sie auch nach der Domain selbst und ihrem Namen ohne Endung. Kundenbeschwerden, alte Social-Media-Profile, Betrugswarnungen oder negative Bewertungen können das Vertrauen der Nutzer weiterhin beeinflussen.
Transaktion absichern und Ergebnisse dokumentieren
Bitten Sie den Verkäufer vor der Zahlung um einen Nachweis, dass er die Domain kontrolliert, beispielsweise durch die Änderung eines bestimmten DNS-Eintrags. Vereinbaren Sie den Preis, das Transferverfahren, die Übernahme der Gebühren, den Übergabetermin und ob auch Inhalte, Logo, Social-Media-Konten oder andere Rechte Gegenstand des Verkaufs sind. Mit der Domain allein werden die Rechte an diesen Bestandteilen nicht automatisch übertragen.
Bei einem größeren Betrag sollten Sie einen Treuhandservice erwägen, der das Geld erst nach Erfüllung der vereinbarten Bedingungen an den Verkäufer auszahlt. Ändern Sie nach der Übernahme der Domain die Zugangsdaten, aktivieren Sie die Multi-Faktor-Authentifizierung, prüfen Sie die Kontaktdaten des Domaininhabers und sorgen Sie für eine sichere Verlängerung.
Der praktischste nächste Schritt ist, die Prüfergebnisse in einer einzigen Notiz festzuhalten: Registrierungsdaten, archivierte Inhalte, Reputation, Links, Rechte am Namen und Transferbedingungen. Kann der Verkäufer wesentliche Abweichungen nicht erklären, setzen Sie den Kauf bis zu ihrer Klärung aus.
Siehe auch: WHOIS und RDAP — wie lassen sich Domaininformationen prüfen?
